Lebendige Geschichte
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Legionär mit der Marschausrüstung der 2. Hälfte des 1. Jh. n. Chr.
Die Ausrüstung eines Legionärs besteht aus Caligae (Soldatenschuhe) , Untertunika, Tunika, Focale (Halstuch), einem Sagum (Mantel), Rüstung (Ketten-, Schienen- oder Schuppenpanzer), Cingulum (Gürtel) und Pugio (Dolch). Das Gladius (Kurzschwert) wird an einem separatem Umhängegürtel getragen, dem sog. Balteus. Der Helm wurde zu Parade und Soldausgabe mit einem Helmbusch verziert. Der Scutum (grosse Rechteckschild) und dem Pila (Wurfspiess) vervollständigte die Grundsausrüstung eines jeden Legionärs. Für seine persönliche Habseligkeiten hatte er eine lederne Tasche die er stets mit sich führte.
Diese Tasche wurde zusammen mit einem Netz, Mantelsack, seiner Feldflasche und seinem Kochgeschirr an der sog. Furca, dem hölzernen Tragegestell des Legionärs befestigt. Dieses Gepäck wurde aber im Falle eines Eilmarsches, der nur mit dem allernotwendigsten (also nur die Waffen) durchgeführt wurde, im Lager zurückgelassen.
Um sich gegen das kalte Wetter diesseits der Alpen zu schützen, wurde im Mantelsack ein paar Hosen (Feminalia), Socken (Tibialia) und ein wetterfester Mantel, die Paenula mitgetragen.
Hier noch ein Bild aus der Zeitung.Legionär beim Wachdienst.

Es gab auch Handwerker unter den Legionären. Hier ein Zimmerman.
Die Caligae sind eigentlich die offiziellen Soldatenschuhe, dennoch wurde der stabile "Stielfel" auch von der Zivilbevölkerung geschätzt.

Die Caligae werden Ende des 1. Anfang des 2.Jh. n. Chr. durch einen geschlossenen Calceus ersetzt.
Das ist die eigentliche Tunika, aus ungefärbter Wolle (Es gab aber auch gefärbte), und das mit Krapp rot gefärbte Focale (Halstuch). Die Untertunika ist auf dem Bild nicht zu sehen, sie besteht meist aus ungefärbtem Leinen.

Frühkaiserzeitliche Tunika aus mit Krapp rot gefärbter Wolle. Als Vorlage dienten die Tunikafunde aus Nahal Hever in Israel und Mons Claudianus in Ägypten.
Neues Sagum. Grundfarbe: Holunderbeeren Brettchenborte:Birkenblätter und Krappwurzel
Auch hier wieder ein grosses Dankeschön an die Weberin Sandra Gehrig, für das anweben der Brettchenborte.
Das Sagum ist der eigentliche Militärmantel, welcher an der Schulter mit einer Fibel zusammengehalten wird. Mäntel, so auch das Sagum, sind aus Wolle gewebt, manchmal auch noch verdichtet (wie der heutige Lodenstoff). Dieses Sagum ist aber nur leicht angefilzt. Es ist mit Krapp gefärbt, und mit einer angewebten, Brettchenwebborte in Krapprot und Weiss geschmückt.
Das Cingulum ist der Soldatengürtel mit den bronzenen verzinnten Gürtelplatten, dem Schurzstreifen mit den Zierknöpfen und dem Ziergehänge. Der Pugio (Dolch) wurde am Cingulum getragen, und ist stets aufwändig verziert. Die Gürtelplatten und Zierknöpfe sind aus Vindonissa.

Der Pugio

Pugioteile aus dem Fundkatalog von Vindonissa

Das Gladius ist das Kurzschwert des römischen Legionärs. Dieses entsprichte dem sog. Typ Pompeji, da sich die Darstellung auf die zweite Hälfte des 1. Jh. n. Chr. stützt. (z.Z. Vespasians). Im Gegenteil zu späteren Schwerttypen ist das Gladius in erster Linie eine Stich und keine Hiebwaffe (was aber einen gelegentlichen Hieb nicht ausschliesst) Jedes bisher gefundene komplette Gladius des Typs Pompeji besitzt eine schön verzierte Scheide mit Durchbruchsarbeiten. So auch dieses Replikat.

Gladius mit damaszierter Klinge.

Hier mein neues Scutum

Der recheckige Scutum war der typische Schild eines Legionäres des 1. Jh n.Chr. Für den Transport und zum Schutz vor Feuchtigkeit wurde er in die Tegimenta eine Schutz und Tragehülle eingepackt.
Von Oben nach Unten: Eine Hasta (Lanze), daneben zwei Wurflanzen sog Pilae, das erste ist ein Tüllenpilum, das zweite ein Zwingenpilum. Die Hasta ist die Hauptwaffe des Auxiliaren (Egal ob Fusssoldate oder Reieteri) während das Pilum "die" Waffe des Legionärs darstellt. Die Besonderheit der Pilae im Gegenteil zu anderen Lanzentypen ist, dass sich der lange Schaft beim Durchschlagen des gegnerischen Schildes verbiegt, und auf diese Weise kaum mehr zu entfernen ist. Auf diese Art und Weise wird der Schild des Gegners für diesen unbrauchbar und hinderlich. Dieser Effekt entsteht dadurch, dass die Pyramidenspitze gehärtet, der Schaft hingegen ungehärtet und damit biegsam ist.

Pilumteile aus dem Fundkatalog von Vindonissa


Der Legionär auf diesem Bild trägt eine Lorica Hamata, einen Kettenpanzer.
Detailaufnahmen einer Lorica Segmentata Typ Corbridge B (Schienenpanzer), welcher die "bekanntere" Rüstung eines Legionärs darstellt. auf dem ersten Teil ist das "Innenleben" zu erkennen, auf dem zweiten ist sie geschlossen. Da ich auch die Segmentata selbst hergestellt habe, weiss ich wieviel Arbeitsstunden darin enthalten sind.


Scharniere und Haken von Lorica Segmentatas. Auch diese sind aus dem Fundkatalog von Vindonissa. Bei der Lorica Segmentata Typ Corbridge B sind nur die Scharniere und Haken aus Vindonissa. Der Rest nach Lorica Segmentata: A handbook of Roman Plate Armour von M.C. Bishop.
Coolus Helm des Typus E Mitte 1. Jh. n. Chr. Dieser Helm (Cassis) des Typus Coolus E (auch Typ Hagenau genannt) ist ein Bronzehelm italischer Herkunft, verzinnt mit einem Hennagefärbtem Rosshaarhelmbusch.

Kaiserlich-Gallischer Helm des Typus F Mitte 1. Jh. n. Chr. aus Eisen. Dieser Helm (Cassis) des Typus Kaiserlich-Gallisch (auch Typ Weisenau genannt))ersetzen im laufe des 1.Jh. n. Chr. immer mehr die Helme des Typus Coolus (auch Typ Hagenau genannt). Es gibt aber auch noch solche aus Bronze und die werden Kaiserlich-Italischer Typ genannt!
Das Marschgepäck an der Furca (Tragegestell) mit den oben im Text erwähnten Gepäckstücken. Wie das ganze dann vom Legionär getragen aussieht, kann man auf dem ersten Bild auf dieser Seite sehen. :-)
(C) Copyright D.Kellenberger
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